Sonntag, 17. Oktober 2010

Die acht Tore von Brüssel

Das war ein unglaubliches Spiel. Eines von dem alle Fans noch lange sprechen werden. Das 4:4 beim Match Belgien gegen Österreich ist eine Partie für die Geschichtsbücher.

Der grüne Wahnsinn
Rückstand, Ausgleich, Führung, Ausgleich, Führung, Ausgleich, Rückstand und schließlich der späte Ausgleich und der nicht mehr geglaubte Punktgewinn. So der Spielverlauf an diesem 12. Oktober aus österreichischer Sicht. Der reine Wahnsinn auf grünem belgischen Rasen!

Eine unglaubliche moralische Leistung des ÖFB-Teams. Vor allem nach dem unnötigen Ausschluss von Paul Scharner, nach dem die Gäste gut 25 Minuten mit einem Mann weniger auskommen mussten. Scharners Ausrutscher ist zwar nicht zu entschuldigen, war aber klar provoziert. Der Schiedsrichter hätte die Situation schon zuvor entschärfen müssen, hat das aber leider verabsäumt. Vielleicht sollten sich FIFA und UEFA in diesem Zusammenhang auch eine Regeländerung überlegen. Scharners Tätlichkeit wird vermutlich mit einer Sperre von zwei Spielen oder mehr geahndet. Keine Frage, die Attacke des England-Legionärs war unbedacht und ungestüm, geschah jedoch aus der Situation heraus und dabei hat er seinen Gegenspieler in keiner Weise verletzt. Ein brutales Einsteigen ohne Ball, bei dem sich der Gegenspieler verletzt, würde eine ähnliche Strafe nach sich ziehen, steht aber von der Härte in keiner Relation. Vielleicht sollte hier eher ein Unterschied von kalkulierten Revanchefouls und Aktionen, die aus dem Affekt resultieren, gemacht werden.

Constantini macht Fehler und zieht Joker
Schade, dass Teamchef Constantini nicht schon früher und überlegter gewechselt hat. Warum die starken Kavlak und Junuzovic aus dem Spiel mussten, konnten viele Zuseher nicht verstehen. Arnautovic hingegen, der nach einer Stunde absolut zurückfiel, musste bis zur 88. Minute und dem 3:3 Ausgleich - den er mitverschuldet hatte - warten, bevor er vom Platz durfte/musste.

Dass es dann genau jener Martin Harnik war – kurz zuvor für Arnautovic ins Match gekommen, der den Ausgleich zum 4:4 erzielte, steht wieder auf einem anderen Blatt Papier. Constantini hat bei dieser Auswechslung sein Händchen bewiesen.

Azeris überraschen die Türkei
Einiges hat sich in der Österreich-Gruppe A getan. Ihr blaues Wunder haben die Türken in Aserbaidschan erlebt. Ein toller Eckball-Trick, Marke Berti Vogts, genügte den Gastgebern, um abschluss-schwachen und glücklosen Türken drei Punkte abzuringen.

Nach diesen Herbstspielen zeigt die Tabelle ein für Österreich sehr schönes Gesicht. Deutschland führt die Gruppe überlegen an. Gleich dahinter kommt Österreich, mit sieben Zählern aus drei Spielen. Damit hat die ÖFB-Elf einen Punkt mehr als die Türkei und gar drei mehr als Belgien auf dem Konto. Und das bei einem Spiel weniger. Eine hervorragende Ausgangsposition fürs Frühjahr.

Krieg statt Fußball in Italien
Wenig mit Fußball zu tun hatten die Szenen, die sich beim Quali-Spiel Italien gegen Serbien abspielten. Serbische Hooligans sorgten nach wenigen Minuten für einen Spielabbruch. Vor und nach der Partie wurde randaliert. Die Folge, hoher Sachschaden und eine Menge Verletzter.

Es bleibt zu hoffen, dass die Hintermänner dieser feigen und barbarischen Aktionen ausgeforscht werden können und alle Verantwortlichen mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden. Denn, Gewalt darf in den Fußball-Stadien keinen Platz finden!

Sonntag, 3. Oktober 2010

Rapid und Salzburg nicht EL-reif

Wieder eine Nullnummer für unsere Eurofighter. Auch der 2. Spieltag in der Europa League verlief aus österreichischer Sicht nicht nach Wunsch. Leider ist keine Besserung in Sicht.

Bullen sind zu dumm
Die 0:2-Niederlage Salzburgs in Polen hat eines gezeigt: Anspruch und Realität klaffen in der Mozartstadt ziemlich weit auseinander. Seit Jahren träumt man von der Champions League, doch konstante Leistungen erbringt die Söldnertruppe keine. Im vergangenen Jahr ließen Schiemer, Leitgeb und Co. noch, in der Gruppenphase der EL, mit sechs Siegen in ebenso vielen Spielen aufhorchen. Heuer steht man nach zwei Spieltagen mit Null Punkten da.

Eine echte Linie ist bei RBS nicht zu erkennen. Beinahe jedes Mal darf ein anderer Stürmer ran. Franz Schiemer, einer der Besten, muss Lücken füllen wo immer sie sich auftun. Eine echte Verschwendung. Bitter, wenn sich in so einem Kader kein anderer Verteidiger für links außen findet. Klar ist, Trainer Stevens muss sich schnell etwas einfallen lassen, sonst ist nicht nur in der EL Endstation, sondern auch in der Bundesliga der Meisterschaftszug abgefahren.

Rapid nicht abgebrüht genug
Gegen Porto war Rapid chancenlos. Im Duell mit Besiktas sah das schon anders aus. Mit etwas Glück wäre mindestens ein Punkt möglich gewesen. Nur, auf das Glück kann man sich nicht verlassen. Es ist sprichwörtlich wie ein Vogerl. Worauf sich die Fans jedoch verlassen sollen können, ist eine gewisse Abgebrühtheit einer Profi-Fußball-Mannschaft. Leider hat der SCR diese Qualität in den letzten Wochen viel zu oft vermissen lassen.

Trainer Pacult sollte sich langsam mal die Frage stellen, ob er im Moment alles richtig macht. Sitzt Payer wirklich nur deswegen auf der Bank, weil er nicht so gut ist wie Hedl, oder spielen da persönliche Animositäten eine Rolle? Sollte Kapitän Hofmann nicht lieber eine Auszeit bekommen, um seine Wehwehchen auszukurieren? Welche Signale sende ich den anderen Spielern, wenn ich als Trainer mehr oder weniger deutlich sage, dass ein angeschlagener Hofmann besser ist als jeder andere Kicker im Kader? Und, last but not least, ist es für die Stürmer wirklich motivierend, wenn ihre Qualitäten Woche für Woche in Frage gestellt werden?
Immerhin ist das der Kader mit dem Pacult in den nächsten Wochen und Monaten auskommen muss. PP mag ein Fußball-Kenner sein, Weitblick und zwischenmenschliche Kommunikation dürften jedoch nicht zu seinen Stärken gehören.

Nationalteam muss ran
Bei den beiden Europacup-Startern ist momentan kein großer Aufwärtstrend erkennbar. Leider!
Dazu kommt, einige Akteure von Rapid und Salzburg müssen in wenigen Tagen auch im Nationalteam ran. Jantscher, Kavlak, Schiemer und Wallner kommen nicht gerade mit stolzgeschwellter Brust zum Team. Jetzt liegt es auch an Constantini wie er diese Spieler wieder auf Kurs bringt.

Das ist aber sicher nicht die einzige Sorge des Teamchefs. Gegen Aserbaidschan gibt es noch ein Heimspiel gegen einen sogenannten Underdog. Da müssen erstens drei Punkte her (das wird schwierig genug wie man gegen Kasachstan sehen durfte) und zweitens muss sich die Mannschaft noch mehr finden. Nur wenige Tage später muss die ÖFB-Elf gegen Belgien zum Auswärtsspiel. Das dürfte mindestens eine Nummer schwerer werden.

Es bleibt zu hoffen, dass alle unsere internationalen Vertreter in den kommenden Wochen eine klarere Linie erkennen lassen, als zuletzt. Spielerisch wird das ein Muss sein! Dann wird auch der Erfolg nicht all zu lange auf sich warten lassen.